Wechselwirkung Parodontitis – Diabetes:

Es lohnt sich, mehr Zeit in die Zahnpflege zu investieren!

Etwa zwölf Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an Typ-I- oder Typ-II Diabetes, ungefähr ein Drittel davon weiß gar nichts davon1,2. Diese Unwissenheit birgt das Risiko von Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Netzhautveränderungen. Genau das gilt es zu vermeiden. Ein Diabetiker zum Beispiel hat im Vergleich zu einem Nicht-Diabetiker ein dreifach höheres Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln.

Wissenschaftlich erwiesen ist, dass sich Diabetes und Parodontitis in einer Spirale gegenseitig beeinflussen: Schlecht eingestellte Blutzuckerwerte wirken sich negativ auf parodontale Erkrankungen aus. Der Verlauf einer Parodontitis ist schwerer. Andererseits verstärkt eine Parodontitis die Insulinresistenz der Zellen und erhöht dadurch die Blutzuckerwerte.

Symptome einer Diabeteserkrankung in Verbindung mit Parodontitis:
  • regelmäßiges Zahnfleischbluten
  • Zahnfleischschwellungen und/oder Rötungen
  • Zahnfleischrückgang
  • Zunahme der Schmerzempfindlichkeit
  • lockere Zähne
  • Eiterbildung und –austritt aus Zahnfleischtaschen
  • unangenehmer Geschmack bzw. Mundgeruch
  • verstärkter Harndrang um überschüssigen Zucker auszuscheiden
  • Tendenz zur erhöhten Müdigkeit und Abgeschlaffenheit
  • erhöhte Anfälligkeit für Infekte durch schwächeres Immunsystem


Diabetes und Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig.
Bei Diabetes-Patienten ist die Mikrodurchblutung im Zahnfleischgewebe stark vermindert. Das Risiko, an einer Gingivitis und in der Folge einer Parodontitis zu erkranken, ist dadurch erhöht. Ebenfalls vermindert ist die Abwehr von Risikokeimen. Eine gründliche und gewissenhafte Reinigung, auch problematischer Stellen wie z.B. Zahnwischenräumen, sowie die mindestens zweimal jährlichen Kontrollen beim Zahnarzt sind daher besonders wichtig. Unterstützend sollte eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung aufgesucht werden, bei der Sie auch professionelle Anleitung zur optimalen Zahnpflege erhalten.

* frei nach ZMK Diabetes-melitus-Update für Zahnärzte – Teil 1 15.03.2010„Die Wissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr Belege für die intensive Wechselwirkung zwischen bakteriellen Zahnbelägen und parodontalen Erkrankungen einerseits und Allgemeinerkrankungen andererseits zu Tage gefördert“, so Prof. Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie der Universität Frankfurt am Main3. Daher ist „jede Maßnahme zur Erhaltung der Mundgesundheit (...) immer auch ein Baustein für die Gesunderhaltung des ganzen Körpers,“ so Prof. Peter Eickholz.

Durch konsequente gewissenhafte Zahnpflege und den Einsatz der optimalen Zahncreme können Diabetiker ihre Blutzuckerwerte positiv mit beeinflussen. Die selbstverständliche Grundregel, frei nach Prof. Dr. Einwag, lautet: „Der Dreck muss weg!“

Zusammen mit dem Zahnarzt können Sie sehr effizient Risikofaktoren minimieren und die Mundgesundheit optimieren: Denn Keime und Bakterien, die durch einen gesunden Mund gar nicht erst in den Organismus gelangen, können dort auch keine Folgeerkrankungen auslösen.


Informationsempfehlung:

Informieren Sie Ihren Zahnarzt beim nächsten Besuch, wenn Sie eine gesicherte Diabetes mellitus-Diagnose vorliegen haben oder auch, wenn Sie Informationen über einen kritischen Blutzuckerspiegel oder nur den Verdacht haben. Auch können Sie ggf. den Zahnarzt, wenn bei Ihnen eine Parodontitis vorliegt, ansprechen, ob er einen Zuckerschnelltest durchführen kann.

Zahnarzt Dr. Frank Maraharens charakterisiert die Eigenschaften der für Diabetiker optimalen Zahncreme wie folgt:
  • gute Reinigungsleistung
  • niedriger RDA-Wert
  • gut bioverfügbares Fluorid
  • natürliche Inhaltsstoffe wie Kamillenblütenextrakt4, Provitamin B5 und andere ätherische Öle, möglichst antibakteriell und antientzündlich eingestellt, zur Stärkung der gingivalen Struktur
  • die Blutzirkulation anregende ätherische Öle (Menthol, Eukalyptol etc.)
  • Integration von Xylit zur Hemmung der Plaque-Neubildung




Was kann der Diabetiker selber tun

Maßnahmen zur Reduktion des Parodontitis-Risikos:
  • Zähne und Zahnfleisch brauchen eine gewissenhafte gründliche Pflege
  • Mindestens zwei Mal täglich Zähne putzen und einmal Interdentalpflege
  • Grundsätzlich ist es ratsam, eine Fluoridzahncreme mit antibakteriellen und antientzündlichen Eigenschaften zu verwenden
  • Die Zahnbürste sollte weich bis mittelweich mit nicht zu großem Kopf sein, um überall im Mundraum reinigen zu können
  • Alle sechs bis acht Wochen Zahnputzkopf der Zahnbürste wechseln – oder vorher, falls die Bürstenform sich ändert
  • Zahnarztbesuch mindestens zwei Mal jährlich
  • Informieren Sie Ihren Zahnarzt darüber, wenn Sie an Diabetes erkrankt sind und auch über mögliche andere chronische Krankheiten
  • Regelmäßig eine Professionelle Zahnreinigung (PZR) durchführen lassen, um alle Beläge – auch aus schwer zugänglichen Bereichen – zu entfernen
  • Gewissenhafte Überwachung des Zuckerspiegels, um den Insulinspiegel optimal einzustellen
  • regelmäßige Medikamentierung – durch optimale Einstellung der Blutzuckerwerte kann das Parodontitis-Risiko auf Normalniveau reduziert werden
  • Sollten nach einer Mahlzeit noch Speisereste im Mund verbleiben, mit etwas Wasser spülen und so die gröbsten Reste zu entfernen
  • Bei familiärer Vorbelastung sollten ersten Anzeichen stärker beachtet werden
  • Ausgewogene und mundgesunde Ernährung besteht neben der Reduktion von zucker- und säurehaltigen Lebensmitteln in der Einhaltung von geregelten (Haupt-)Mahlzeiten sowie zuckerarmen Zwischenmahlzeiten und Zwischengetränken. Im Falle einer Unterzuckerung muss der Zuckerhaushalt kurzfristig ausgeglichen werden
  • Zahnpflegekaugummis sind eine sinnvolle Ergänzung der Mundhygiene, zumal neben einem gewissen Reinigungseffekt die Speichelsekretion angeregt wird

Risikofaktoren, die man selbst positiv beeinflussen kann:
  • Körpergewicht auf BMI-Wert bringen
  • gesunde und abwechslungsreiche Ernährung
  • regelmäßige Bewegung bzw. Sport
  • Verzicht auf den Konsum von Zigaretten oder E-Zigaretten
  • Alkoholkonsum möglichst gering halten
  • psychischen Stress vermeiden


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Diabetes-Typen

Diabetes Typ I
Der Typ-I Diabetes tritt bevorzugt vor dem 35. Lebensjahr auf, aber auch ältere Erwachsene können an Typ-I Diabetes erkranken. In der Regel beginnt der Typ-I Diabetes abrupt, mit plötzlich einsetzenden Symptomen und Beschwerden wie vermehrter Harnbildung, ungewöhnlichem Durst, unerklärlichem Gewichtsverlust und Müdigkeit.

Diabetes Typ II
Der Typ-II Diabetes tritt vorwiegend im mittleren bis hohen Erwachsenenalter auf. Immer häufiger entwickeln jedoch auch übergewichtige Jugendliche und junge Erwachsene diese Form der Diabetes. Der Typ-II Diabetes zeigt sich zunächst als verminderte Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz) und eine anschließend gestörte Insulinbildung. Der Blutzucker kann daher nur in unzureichendem Maß aus dem Blut in die Zellen transportiert werden.



Quellen:
[1] IDF Diabetes Atlas, 6th ed., Brussels, Belgium: International Diabetes Federation; 2013.
[2] Tamayo T, Rosenbauer J, Wild SH, Spijkerman AM, Baan C, Forouhi NG, Herder C, Rathmann W., Diabetes in Europe: An update for 2013 for the IDF Diabetes Atlas. Diabetes Res Clin Pract. 2013 Nov 27
[3] IGZ Die Alternative Nr.1/2015, P.Eickholz: Ist Parodontitis atemberaubend? S.16-17
[4] H. P. T. Ammon und R. Kaul, „Pharmakologie der Kamille und ihrer Inhaltsstoffe“, Dtsch. Apoth. Ztg. 132, Suppl. 27, 1992

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